Heiko Schomberg

Heiko Schomberg

 

 
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Anderthalb Jahre bin ich also jeden Tag an der durch die Baustelle zur Arbeit gegangen. Häufig musste ich Baggern 10 Minuten hinterher trotten. Es fühlte sich durchaus so an, als ob ich mitgebaut habe. Das Warten hat sich gelohnt. Bei dieser U-Bahn-Station gibt es auch keine Anmutung einer Sauna. Nein: Ein gelungenes, unterirdisches Bauwerk. Wie im KStA-Artikel so pointiert geschrieben: “Die riesigen Dimensionen fordern allerdings auch ihren stolzen Preis. 90 Millionen Euro hat der Bau der größten und tiefsten Kölner U-Bahn-Station insgesamt verschlungen.” Und am 15.12.2013 wurde die “Kathedrale” für die Allgemeinheit endlich eröffnet. Mit Musik des KVB-Orchesters (sic!).

Ich weiss immer noch nicht, was großartiger ist: Dass es ein KVB-Orchester gibt, oder dass sie “Winter in Kanada” spielten… aber seht selbst:

 Fantastisch! Es gibt sie wirklich: Das KVB-Orchester!

“Das Schönste an der neuen Heumarkt-Station ist aber immer noch die Abfahrt Richtung Kalk.” (Arne Arps)

 

Es ist soweit:

Seit Mitternacht herrscht strenges Rauchverbot

Pünktlich seit Mitternacht in der Nacht zum 1. Mai trat das neue Nichtraucherschutzgesetz in Kraft, und diesmal wird es richtig ernst. Nicht nur Zigaretten, Shishapfeifen und E-Zigaretten sind dann in Clubs, Kneipen und Bars verboten. Auch Kinderspielplätze und U-Bahn-Stationen werden zur rauchfreien Zone erklärt.

Was bedeutet das für Menschen, die vom Glimmstengel nicht lassen können? Sie müssen nach draußen gehen. Immer häufiger wird man in Köln diese Aufforderung hören:

Aber:

Vor der Kneipe ist das Rauchen zwar weiterhin erlaubt, aber auch hier gibt es Einschränkungen: Dabei dürfen keine Getränke mit vor die Tür genommen werden.

Wir werden sehen, wie die sehr kreativen Kölner diese “Einschränkung” umgehen werden…

 

21.02.2006:

Liebes Tagebuch, ich habe mich heute in der Meldehalle Kalk im Bezirksrathaus Kalk als Kölner angemeldet. Nummer gezogen, gewartet, an der Reihe gewesen, Bundespersonalausweis gezückt, Aufkleber und Stempel darauf, offiziell Köln-Kalker geworden. Auch unter fußballerischen Aspekten ein heikler Schritt. Also Köln, nicht Kalk.

09.07.2006:

Laufe mit einem Frankreich-Trikot durch Kalk und halte mich für einen lebenden Akt des Widerstandes. Am späten Abend habe ich starke Einschlafprobleme, da auf den Straßen sehr viele Hup-Wanderfahrten stattfinden.

Wenn Ihr wissen wollt, wie’s weitergeht, kommt morgen ins Bürgerhaus Kalk zum 20. Kalker Kaffee! Oder lest in den kommenden Wochen [hier] weiter…

 

Anbei folgender, unlängst mitgehörter “Trialog am Büdchen“:

[Thünn, Carlos und Bombo, drei Imis, stehen am Büdchen und sprechen über Köln. Sie hatten sich vorher sehr, sehr lustig über diesen “HauptstadtflughafenBER gemacht. Doch durch die Express-Schlagzeile “Dom zittert vor Linie 5” verzog sich ihre ungezügelte Lebensfreude und sie kamen auf das Gemeinwesen Köln und seine Bauvorhaben zu sprechen. Sie haben keine Eile, im Hintergrund läuft “Viva Colonia“, sie haben alle eine Flasche Reissdorf vor sich.]

Carlos: „Seid mir bitte nicht böse, aber wenn die Stadt Köln es schafft, per U-Bahn auch noch den Dom zu vernichten, dann kündige ich Köln die Freundschaft. Ihr habt doch alle einen am Strüßchen, ihr am Rhein. Ich sehe förmlich schon den Rosenmontagszug 2015 fröhlich durch die staubige Ruine des Doms fahren, unter dem Motto “‘s Arschiv em Arsch, dä Dom en Trümmer, et juckt ons nix, m’r trinke immer!”

Thünn: „Das ruckelt nur ganz wenig. Ein Experte hat vorhin im Radio klargestellt, dass jede Fliegerbombe im zweiten Weltkrieg mehr Erschütterungen verursacht hätte, was ja nun echt beruhigend ist.

Die Bahn soll vorsichtshalber im Dombereich langsamer fahren. Ich schätze mal, dass man jetzt zu Fuß schneller vom Hauptbahnhof zum Rathaus kommt als mit der U-Bahn, was ja irgendwie auch wieder einmalig ist. Ein Rentner sagte gestern im Café Klein auf der Sülzburgstraße: “Do würr‘ isch sowieso nit injestiege‘, isch bin doch nit lebensmöd‘.”

Bombo: „Härrlisch! ‚Do würr‘ isch sowieso nit injestiege‘, isch bin doch nit lebensmöd‘.‘ Ich sach‘ nur: ‚Wir trinken Immer.‘ ‚Aber natürlich Herr Immer, ah, verstehe, genial…‘” [Er zitiert aus dem Großwerk „Didi, der Doppelgänger“ von 1983.]

Thünn: „Wir trinken immer! Und das seit über tausend Jahren, vermutlich. Oder wie ich unlängst las: ‚Die Brautradition der Stadt Köln ist angeblich bereits auf das Jahr 873 zurückzuführen; Historiker bezweifeln jedoch die Echtheit der Urkunde.‘“

Bombo: „Ach wat! Historiker lügen doch alle! Et war 583. Vorher wurden 11.000 Jungfrauen beglückt, dann jett Bier jebraut und ab fürrem’ Auerochsenrennen – vorher noch ein Thing am Bydchen.“

Carlos: „Wunderschön!“ [Er beginnt zu singen]: „Cologne, Cologne, es zittert der Dom…“

Thünn: “Und jetzt auch noch de Driss am Heinrich-Böll-Platz! Moos und Flechten kommen nicht – aber die Stadt darf die Stolperfallen nit saniere. Carlos, die erwähnte ‘Decke der Philharmonie’ wird übrigens sowieso bei Konzerten immer von Security abgesperrt, wat Annemie mir zuerst nicht glauben wollte…”

Bombo: [fällt Thünn ins Wort] “…und es gibt immer tolle ‚Interaktionen‘ zwischen Inlineskater-Familienvätern und Sicherheitsleuten (rhetorisch begrenzt)… Gott, ich liebe diese Stadt!”

Carlos: “.. etwa, damit es unten im Konzertsaal nicht rumpelt, wenn sich oben die Passanten zu Tode stolpern??? Köln ist göttlich, wahrlich… Unfassbar, aber wahr!

Und man ist sich ganz sicher, dass nicht demnächst die Linie 5 in den Konzertsaal der Kölner Philharmonie einfährt? Leicht verspätet, weil man am Dom schnell noch das Richterfenster zum Klirren bringen musste? Und wann wird das Original-Palermo wegen Rufschädigung klagen?”

[Blick gen Himmel, kopfschüttelnder Griff zur Reissdorf-Flasche, unabgestimmt]:

Alle: „Prost.“

[Erstveröffentlichung am 10.01.2013.]

 

Es fing alles so sauber,  neu & voller Begeisterung am Rathaus an. Und dann das:

Ich sehe es schon vor meinem geistigen Auge… Der Rosenmontagszug 2015 passiert die Ruine des Doms und das Motto der Session lautet:

“‘s Arschiv em Arsch, dä Dom en Trümmer, et juckt ons nix, m’r trinke immer!” (Carl-A. Heller)

Und was singen wir bis dahin? “Cologne, Cologne, das Zittern vom Dom!”

 

Es hat ja genug Geld und Menschenleben gekostet, diese U-Bahn-Station, als erste der neuen Nord-Süd Stadtbahn, zu eröffnen. Wir haben uns nach acht Tagen mal selbst überzeugt…

Die neue U-Bahn-Station RATHAUS. Scheinbar will man die Stadt Köln noch attraktiver für finnische Touristen machen…

… ein schon fast yveskleines Blau – noch - die Station ist ja erst acht Tage geöffnet, bald wird aber alles vollgeschmiert sein… sonst fremdeln wir Kölner…

Rot und blau, schmückt den Bau!

Interessante Lüftungsschachtarchitektur!

Noch ist alles neu und sieht ein wenig nach London in sauber aus – diesen Makel werden die Kölnerinnen und Kölner aber binnen einer Woche beseitigt haben…

Eine ockerfarbene Wand. Noch.

Blick auf den Fahrstuhl (er funktioniert!) und den U-Bahn-Tunnel…

…. was wird wohl schneller fertig werden?!

A) Die Kölner Nord-Süd Stadtbahn. B) Die Hamburger Elbphilharmonie. C) Der Hauptstadtflughafen BER. D) Das Umm Salal Stadium in Katar.

Köln ist immer für eine Überraschung gut: In eine Sauna muss man nicht immer zum Schwitzen gehen, oder?!

 

Am 06.06.2012 laß Hanns Zischler in der Buchhandlung Klaus Bittner aus seinem aktuellen Roman “Lady Earl Grey“.

Nach der grandiosen, etwa 50minütigen Lesung, wurde es dann etwas gezwungen, da dem Autor “Fragen zum Werk” gestellt werden mußten sollten.

Neben der absoluten Killerphrase “Was haben sie sich beim Verfassen des Werkes gedacht?” und einem Hinweis auf Kafkas Josefine, dilettierte vor allem preschte eine Pressevertreterin nach vorne, die wirklich & ernsthaft die Frage stellte:

Ist denn die Maus ein unterschätztes Wesen?

“Kraweel, Kraweel! Taubtrüber Ginst am Musenhain! Trübtauber Hain am Musenginst! Kraweel, Kraweel!” Man kam sich ein bißchen vor wie bei Loriot, also mir gings zumindest so:

Nach endlosen, zähen 15 Minuten Fragerunde (die mir länger vorkamen), in denen u.a. auch E.T.A. Hoffmann ins Felde geführt wurde (!), und das bei einem Buch, das einfach auf hohem Niveau unterhalten möchte & durch Illustrationen liebevoll gestaltet wurde, also im allerbesten Sinne ein Unterhaltungsroman ist, war selbst Hanns Zischler bass erstaunt und kippte diese Verwunderung in die letzte Aussage des Abends:

“Ich habe noch nie so ernsthaft über das Buch diskutiert.”

Worauf ich feststellte:

“So ist halt das ernste Köln, wir lachen selten.”

Nicht das “heilige Köln”, sondern das “ernste Köln”.

Köln: Eine Stadt sucht ihren Paradigmenwechsel.

 

hat total versagt.

Gut, dass Edgar Allan Poe das nicht mehr miterleben musste.

 

gegen 3 Holländer!

Zwar habe ich nach der Finalniederlage der Bayern kein gutes Gefühl für die kommende Europameisterschaft, aber so lange Neu-Londoner Lukas Podolski noch so viel wert ist, kann alles gut werden. ;-) Es wird ohnehin eine bipolare EM: Vorrundenaus oder Europameister! Hoffe ich.

Die Paninitauschbörse in Nippes läuft übrigens – in der Nachspielzeit – am 26. Mai und 2. Juni 2012 im “buchladen neusser straße“. Und auf Paninibildern liegt nicht so ein Fluch wie auf den Sammelbildern von REWE… aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte!

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