Anbei folgender, unlängst mitgehörter “Trialog am Büdchen“:

[Thünn, Carlos und Bombo, drei Imis, stehen am Büdchen und sprechen über Köln. Sie hatten sich vorher sehr, sehr lustig über diesen “HauptstadtflughafenBER gemacht. Doch durch die Express-Schlagzeile “Dom zittert vor Linie 5” verzog sich ihre ungezügelte Lebensfreude und sie kamen auf das Gemeinwesen Köln und seine Bauvorhaben zu sprechen. Sie haben keine Eile, im Hintergrund läuft “Viva Colonia“, sie haben alle eine Flasche Reissdorf vor sich.]

Carlos: „Seid mir bitte nicht böse, aber wenn die Stadt Köln es schafft, per U-Bahn auch noch den Dom zu vernichten, dann kündige ich Köln die Freundschaft. Ihr habt doch alle einen am Strüßchen, ihr am Rhein. Ich sehe förmlich schon den Rosenmontagszug 2015 fröhlich durch die staubige Ruine des Doms fahren, unter dem Motto “‘s Arschiv em Arsch, dä Dom en Trümmer, et juckt ons nix, m’r trinke immer!”

Thünn: „Das ruckelt nur ganz wenig. Ein Experte hat vorhin im Radio klargestellt, dass jede Fliegerbombe im zweiten Weltkrieg mehr Erschütterungen verursacht hätte, was ja nun echt beruhigend ist.

Die Bahn soll vorsichtshalber im Dombereich langsamer fahren. Ich schätze mal, dass man jetzt zu Fuß schneller vom Hauptbahnhof zum Rathaus kommt als mit der U-Bahn, was ja irgendwie auch wieder einmalig ist. Ein Rentner sagte gestern im Café Klein auf der Sülzburgstraße: “Do würr‘ isch sowieso nit injestiege‘, isch bin doch nit lebensmöd‘.”

Bombo: „Härrlisch! ‚Do würr‘ isch sowieso nit injestiege‘, isch bin doch nit lebensmöd‘.‘ Ich sach‘ nur: ‚Wir trinken Immer.‘ ‚Aber natürlich Herr Immer, ah, verstehe, genial…‘” [Er zitiert aus dem Großwerk „Didi, der Doppelgänger“ von 1983.]

Thünn: „Wir trinken immer! Und das seit über tausend Jahren, vermutlich. Oder wie ich unlängst las: ‚Die Brautradition der Stadt Köln ist angeblich bereits auf das Jahr 873 zurückzuführen; Historiker bezweifeln jedoch die Echtheit der Urkunde.‘“

Bombo: „Ach wat! Historiker lügen doch alle! Et war 583. Vorher wurden 11.000 Jungfrauen beglückt, dann jett Bier jebraut und ab fürrem’ Auerochsenrennen – vorher noch ein Thing am Bydchen.“

Carlos: „Wunderschön!“ [Er beginnt zu singen]: „Cologne, Cologne, es zittert der Dom…“

Thünn: “Und jetzt auch noch de Driss am Heinrich-Böll-Platz! Moos und Flechten kommen nicht – aber die Stadt darf die Stolperfallen nit saniere. Carlos, die erwähnte ‘Decke der Philharmonie’ wird übrigens sowieso bei Konzerten immer von Security abgesperrt, wat Annemie mir zuerst nicht glauben wollte…”

Bombo: [fällt Thünn ins Wort] “…und es gibt immer tolle ‚Interaktionen‘ zwischen Inlineskater-Familienvätern und Sicherheitsleuten (rhetorisch begrenzt)… Gott, ich liebe diese Stadt!”

Carlos: “.. etwa, damit es unten im Konzertsaal nicht rumpelt, wenn sich oben die Passanten zu Tode stolpern??? Köln ist göttlich, wahrlich… Unfassbar, aber wahr!

Und man ist sich ganz sicher, dass nicht demnächst die Linie 5 in den Konzertsaal der Kölner Philharmonie einfährt? Leicht verspätet, weil man am Dom schnell noch das Richterfenster zum Klirren bringen musste? Und wann wird das Original-Palermo wegen Rufschädigung klagen?”

[Blick gen Himmel, kopfschüttelnder Griff zur Reissdorf-Flasche, unabgestimmt]:

Alle: „Prost.“

[Erstveröffentlichung am 10.01.2013.]

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